Geschwindigkeit der Fische

Bereits vor Hundert Jahren haben Menschen die Schwimmgeschwindigkeit einzelner Fischarten gemessen und dabei erstaunliche Resultate bekommen.

Folgende Textausschnitte stammen aus dem im Jahr 2013 veröffentlichen Buch „Einheimische Fische. Die Süßwasserfische unsrer Heimat“ des deutschen Naturwissenschaftlers und Verfassers zahlreicher populärwissenschaftlicher Aufsätze Kurt Floericke (* 23.03.1869; † 29.11.1934).

Barschflosse

Barschflosse

Ein begnadeter Naturliebhaber verstand der Autor es, komplexe Zusammenhänge in der Natur den Menschen verständlich zu machen und spannend vorzutragen. Bekannt ist sein Faible aus dem Verhalten der Tiere auf die menschliche Eigenschaften zu schließen.

Über die Natur der Schwimmbewegungen

„Gerade bei dem langsam durch die Fluten ziehenden Karpfen lassen sich sehr gut die Schwimmbewegungen des Fisches beobachten und studieren. Bei aufmerksamer Betrachtung werden wir sehen, dass es nicht eigentlich die Flossen, oder diese doch nur in geringem Grade sind, die den Fisch fortbewegen. Das hauptsächliche Fortbewegungsorgan ist vielmehr der Schwanz, überhaupt die ganze hintere Körperhälfte. Sie ist mit zwei Reihen starker Muskelzüge ausgestattet, durch deren Zusammenziehen kräftige Schläge gegen das Wasser geführt werden, und zwar in einer derartigen Richtung, dass sie den Fisch vorwärts treiben müssen.

Abwechselnde Biegungen der Schwanzflossenzipfel können allerdings auch nach Art einer Schiffsschraube wirken und den Fisch langsam vorwärts bringen. Die paarigen Flossen aber wirken lediglich regulierend und steuernd, während After- und Rückenflosse die Körperfläche vergrößern und ein Hin- und Hergeworfen werden des Fisches bei den heftigen und wechselnden Schwanzschlägen verhindern.“
– Kurt Floericke: Einheimische Fische. Die Süßwasserfische unsrer Heimat, Kapitel 3, 1913

Über die Schwimmgeschwindigkeit der Fische

„Ein französischer Gelehrter, Regnard, hat auf sinnreiche Weise Untersuchungen über die Schnelligkeit der schwimmenden Fische angestellt. Er ließ kreisförmige Wasserrinnen herstellen, die durch einen elektrischen Motor gedreht wurden, worauf die eingesetzten Versuchsfische gegen den Strom zu schwimmen suchten. Wenn sie dann trotz aller Anstrengungen auf der gleichen Stelle stehen blieben, musste ihre Geschwindigkeit gleich der Drehungsgeschwindigkeit des Apparates sein. Es ergab sich, dass die Schwimmgeschwindigkeit von Karpfen und Weißfischen etwa das Zehnfache ihrer Körperlänge in der Sekunde beträgt, dass aber ihre Ausdauer bei solch höchster Kraftanspannung nur gering ist, und bald Ermüdung eintritt.
[…]
Von der so ermittelten Schnelligkeit ist natürlich diejenige verschieden, die die Fische beim Rauben oder auf ihren Wanderungen entwickeln. Den Rekord soll die Forelle mit 35 km in der Stunde halten; der Hecht soll 23-27, die Barbe 18, Karpfen, Schleie und Aal 12 km in der Stunde zurücklegen können. In Siam veranstaltet man in langen Aquarien sogar besondere Wettrennen zwischen verschiedenen Fischarten, und der auch in Europa wohlbekannte verstorbene König Chulalongkorn soll bei einem solchen Rennen einmal eine seiner Frauen verwettet haben.“
– Kurt Floericke: Einheimische Fische. Die Süßwasserfische unsrer Heimat, Kapitel 3, 1913

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