Wie funktioniert atmungsaktive Bekleidung?

Atmungsaktive Bekleidung gibt es mit großen Qualitätsunterschieden. Die Kennzeichnung allein sagt noch nicht viel aus. Hier erklären wir, wie hochwertige atmungsaktive Produkte funktionieren und wie Sie diese erkennen.

1. Was bedeutet Atmungsaktivität?

Atmungsaktive Bekleidung

Atmungsaktive Bekleidung

Bei Sport- und Funktionskleidung wird oft die Eigenschaft „atmungsaktiv“ gepriesen. Das heißt im normalen Sprachgebrauch, dass das Material luftdurchlässig ist. Dampf und warme, feuchte Luft können durch den Stoff nach außen dringen. Nicht nur Textilien, auch andere Materialien können atmungsaktiv sein, zum Beispiel Baustoffe. Die Atmungsaktivität ist bei Kleidung, die zum Sport oder bei Outdoor-Aktivitäten getragen wird, besonders sinnvoll. Wenn Sie ins Schwitzen geraten, wird die durch den Schweiß entstehende feuchtwarme Luft nach außen transportiert. Diese positive Wirkung hat Unterwäsche mit der Bezeichnung atmungsaktiv ebenso wie Shirts, Fleecepullover, Jacken und sogar manche Schuhe.

2. Wie wird Atmungsaktivität gemessen?

Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass hochwertige Sport- und Funktionskleidung von bekannten Marken besser ausgerüstet ist als sehr günstige Artikel. Es gibt zwei Testmethoden, die Hersteller anwenden, um die Atmungsaktivität zu messen: MVTR- und RET-Verfahren. Unter MVTR-Test versteht man ein Messverfahren, das die Menge der Feuchtigkeit misst, die in einem bestimmten Zeitraum verdunstet. MTRV steht für Moisture Vapour Transmission Rate. Der Test ist aber nicht eindeutig genormt. Das bedeutet, die Ergebnisse hängen stark von den jeweiligen Test- und Laborbedingungen ab.

Der zweite Test misst den Wasserdampfdurchgangswiderstand. Dieses Verfahren gibt den RET-Wert an (Resistance of Evaporation of a Textile). Für den Test wird der Schwitzprozess simuliert, Wasserdampf durch eine poröse Platte aus Sintermetall geleitet. Auf der Platte liegt das zu messende Kleidungsstück. Das Testverfahren wird in einem Klimaschrank unter standardisierten Bedingungen durchgeführt. Die Prüfmethode ist weitestgehend unabhängig von Schwankungen bei der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit. Der Test ist nach ISO-Standard 11092 genormt. Ein RET-Wert von 0 – 6 gilt als sehr atmungsaktiv. Bei einem Wert von 6 – 13 ist die Atmungsaktivität gut. Ein RET-Wert von 13 – 20 ist ausreichend atmungsaktiv. Über 20 spricht man von schlecht bis nicht atmungsaktiv.

3. Was ist Membran und wie funktioniert sie?

Natur

Natur

Im Zusammenhang mit atmungsaktiver Bekleidung wird oft und gerne der Begriff Membran verwendet. Was bedeutet es? Bei Membranen handelt es sich um dünne Material- oder Gewebeschichten, die Flüssigkeiten, etwa Regenwasser, abhalten, aber Gase entweichen lassen. Dampf und Schweiß durchdringen das Gewebe nach außen, Regen kann nicht eindringen. Bekannte Membranen sind Sympatex, Gore-Tex und Event. Je nach Verwendungszweck werden Membranen zusammen mit diversen Trägermaterialien verarbeitet. Wenn eine Membran mit einem Obermaterial verbunden wird, heißt das Ergebnis Laminat.

Es gibt verschiedene Laminate. Die Fachbegriffe lauten Z-Liner, S-Liner oder Drop Liner, 2-Lagen-Laminat, 3 Lagen-Laminat und Bodymapping. Ein 3-Lagen-Laminat ist eine sehr robuste Variante, ideal für schwere Berg- und Extremjacken. Z-Liner und Drop Liner werden für leichte Jacken mit vielen Taschen verwendet. Bodymapping bezeichnet die Version, bei der für verschiedene Körperzonen unterschiedliche Laminate kombiniert werden, häufig bei sehr hochwertigen Winterjacken.

4. Auf die Beschichtung kommt es an

Bei hochwertiger atmungsaktiver Bekleidung wird eine spezielle Beschichtung von innen auf den äußeren Stoff aufgetragen. Dabei kommt mikroporöses Polyurethan zum Einsatz. Dadurch entstehen mikroskopisch kleine Löcher, die Dampf ausströmen lassen. Zu den bekanntesten Beschichtungen gehören Ceplex von Vaude, HyVent von The North Face oder Texapore von Jack Wolfskin. Wie gut die Beschichtung und deren Leistungsfähigkeit ist, hängt von der Technik beim Beschichtungsprozess ab. Bei günstigen Jacken kommt es oft vor, dass die Dampfdurchlässigkeit und die Abriebfestigkeit wegen der einfachen Beschichtung gering sind.

5. Atmungsaktiv und wasserdicht zugleich?

Wassertröpfchen

Wassertröpfchen

Damit ein wasserdichtes Material zugleich atmungsaktiv ist und umgekehrt, müssen die einzelnen Funktionen sorgfältig abgewogen werden. Die Wasserdichte wird in „Millimeter Wassersäule“ angegeben. Textilien gelten ab mindestens 1.300 mm WS als wasserdicht. Aber schon bei stärkeren Regenschauern reicht dieser Wert nicht mehr aus. Für Outdoor-Bekleidung ist ein Wert von 3.000 mm WS notwendig. Ausgezeichnete Top-Membranen erreichen bis zu 20.000 mm WS. Damit die Atmungsaktivität trotzdem gegeben ist, darf das Material einer Jacke nur sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen und muss schnell trocknen. Polyester (PU) erfüllt diese Erwartungen, deshalb sind mehr als 90 Prozent aller Funktionsjacken aus PU.

6. Wie nachhaltig ist atmungsaktive Bekleidung?

Klassische Bekleidung mit atmungsaktiven Eigenschaften ist nur bedingt nachhaltig. Die Grundmaterialien sind meist synthetisch und können nur zum Teil recycelt werden. Auch Reparaturen sind schwierig. Einige Hersteller verwenden aber zunehmend synthetische Stoffe aus recycelten Materialien, die biologisch abbaubar sind. Nachdem Umweltschutz und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden, achten Kunden verstärkt auf diese Eigenschaften. Ein Beispiel liefert der Fleece-Produzent Polartec. Dabei kommt eine neue Technik zum Einsatz. Beim Waschen der Kleidung gelangen viel weniger Mikrofasern ins Wasser als bei konventionellem Fleece.

7. Neue Entwicklungen

Neue Technologien im Bereich atmungsaktive Bekleidung nutzen mineralische Bestandteile, die sich gut für die Bekämpfung schlechter Gerüche eignen. Je nachdem, wie die Mineralien aufbereitet sind, kann dadurch auch die Feuchtigkeit noch schneller nach außen transportiert werden. Aktivkohle und Kaffeesatz sind zwei Beispiele, wie Materialien zukunftsfit gemacht werden können.

Weiterhin gibt es Ansätze, wie man mit einem Spray oder einem Waschzusatz mit Polygiene die atmungsaktiven Eigenschaften wieder auffrischen kann. Polygiene sind Silbersalze, die aus recyceltem Silber hergestellt werden. Überaus innovativ und vielversprechend sind Membranen, die zu einem Drittel aus dem Öl von Rizinussamen hergestellt werden. Diese Technologie setzt bereits das Label Picture Organic Clothing um.

Im nächsten Beitrag finden Sie ausführliche Informationen über Soft- und Hardshell-Bekleidung.



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