Bleifrei angeln

Seit 2018 ist der Vertrieb von Bleigieß-Sets in Deutschland verboten. Auch beim Angeln könnten Verbote folgen. Wie angelt man aber bleifrei?

Wie giftig ist Blei?

Bleifrei angeln

Bleifrei angeln

Das chemische Element Blei schadet lebenden Organismen selbst dann, wenn es in kleinsten Bestandteilen dem Organismus zugeführt wird. Bei Aufnahme von größeren Mengen kann es sogar tödlich enden. Eine Bleivergiftung verursacht bei Säugetieren, Vögeln und Fischen die Schädigung der inneren Organe und des Nervensystems. Bereits beim Berühren von Blei werden Kleinstbestandteile aufgenommen, geschweige denn, wenn Bleischrote von Fischen verschluckt und im sauren Ambiente des Magens aufgelöst werden.

Das toxische Schwermetall hat eine sehr lange Halbwertszeit: Gehen große Bleigewichte verloren, bilden diese eine äußere Schicht, welche das Blei vor Umwelteinflüssen abriegelt. Warum dann große Bleigewichte verbieten? Die Dosis macht das Gift: Durch Reibung kommt es zur Korrosion, sodass kleine Blei-Partikel ins Wasser abgegeben werden, wo sie ihre giftige Wirkung entfalten. Während einige Wissenschaftler behaupten, dass dieser Schaden marginal sei, bestehen andere auf einer ernst zu nehmenden Mengenwirkung durch die vielen Tonnen an Blei, die pro Jahr verloren gehen.

Wie funktioniert bleifreies Friedfischangeln?

Friedfischangeln

Friedfischangeln

Ein Argument gegen die Bleiverbote ist, dass die Angel-Industrie Schäden nehmen würde. Doch große Unternehmen haben durchaus die Chance, sich nach und nach neu zu orientieren. So zeigt das Beispiel des Angelausrüstung-Herstellers Fishstone, wie innovative Technik und Umweltfreundlichkeit Hand in Hand gehen können: Aus natürlichen Materialien fertigt das Unternehmen Halter, welche Steine als Gewicht sicher umschließen und für verschiedene Grund-Montagen nutzbar machen.

Auch solche Naturmaterialien wie Hanfstrick können genutzt werden, um Steine als Gewicht zu verwenden. Kommt es zum starken Drill und die Sollbruchstelle gibt nach, bleiben nur Stein und Hanf auf dem Boden des Gewässers. Weiterhin bieten die Muttern aus Eisen eine geringere Belastung fürs Gewässer als das Blei, da diese schneller und umweltverträglicher rosten. Auch Angelgewichte aus Beton gibt es auf dem Markt, die durch ihre größere Auflagefläche dafür sorgen, dass sie nicht im Schlamm verschwinden.

Raubfischangeln: Alternative zu Jigköpfen aus Blei

Gefangener Hecht

Gefangener Hecht

Beim Jig-Angeln auf Zander & Co. gehört der Abriss leider zum Alltag. Weder die starken Vorfächer noch die beste Führungstechnik können die Hänger und den Verlust von Blei-Jigköpfen verhindern. Würde es hierzulande zu einem Verbot von Blei beim Angeln kommen, bekämen die Hersteller von Jigköpfen aus Stahl oder Tungsten explodierende Verkaufszahlen. Die geringe Auffälligkeit und das kleine Volumen, die beim Raubfischangeln wichtig sind, sprechen noch fürs Blei. Doch es gibt Alternativen.

Tungsten (so wird das Wolfram in der Angelszene bezeichnet) bietet den Vorteil, dass es bei selbem Gewicht weniger als das halbe Volumen der Bleigewichte hat. Der höhere Preis ist momentan ein Argument gegen den Kauf, dürfte aber bei größerer Nachfrage fallen. Tungsten ist in Form von Jigköpfen, Bullet-Weights etc. bereits in vielen Angelgeschäften verfügbar. Beim Texas-Rig gilt es darüber hinaus aufgrund des geringen Volumens als unverzichtbar.

Bleifrei angeln in anderen Ländern

Großbritannien

Großbritannien

Großbritannien verhängte bereits im Jahr 1986 ein Angelverbot von Bleigewichten unter 28,3 Gramm. Auf der Insel gehört jeder Schwan der Queen. So war das emotionale Band zwischen Schwan und Königin, als viele Tiere durch die Bleivergiftung gestorben waren, Grund genug, kleine Bleischrote auf der Insel komplett zu verbieten. Dänemark verhängte wiederum im Jahr 2002 ein Verbot für den Verkauf von Bleiprodukten für die Angelei.

Wer in Deutschland erworbene Blei-Gewichte mit auf den Angeltrip nimmt, ist in der Nachweispflicht, dass diese im Heimatland erworben wurden. Um sich Stress und Diskussionen zu sparen, sollte man sich den Gepflogenheiten der Gastgeber anpassen und bei der Angelei freiwillig auf Blei verzichten.

Wann kommt ein EU-weites Bleiverbot?

Im Jahr 2018 forderte die EU-Kommission Vorschläge für ein Verbot von Blei beim Jagd- und Schießsport. Bleigewichte fürs Angeln könnten im selben Atemzug mit verboten werden. Konkrete Ideen zum Verbot könnten in der nahen Zukunft in Zusammenarbeit mit Jagdverbänden ausgearbeitet werden. Dringender als ein Verbot von Blei-Jigs wäre wohl ein Verbot von Weichmachern in Gummiködern. Doch die Politik ist bekanntlich nicht immer mit Dringlichkeit vereinbar, sodass ein Weichmacher-Verbot nach wie vor in den Sternen steht.

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