Multirolle oder Stationärrolle?

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Baitcaster- und Stationärrollen? Um die zahlreichen Pro- und Kontra-Argumente geht es in diesem Artikel.

Vorteile und Nachteile von Multirollen

Multirolle

Multirolle

Die einen angeln nur mit Stationärrollen*, die anderen schwören auf Multirollen. Es ist schwer einen Urteil abzugeben, bevor man die beiden Modelle selbst ausgiebig getestet hat.

Sowohl die Stationärrollen als auch die Baitcaster-Rollen verfügen über manche Eigenschaften, die beim Gegenpart überhaupt nicht repräsentiert werden. Folgend werden somit die wichtigsten Kriterien angesprochen, die die Zweckmäßigkeit der Anschaffung einer Multirolle (die häufig teurer als die Stationärrolle ist) beleuchten sollen.

KRITERIUM STATIONÄRROLLE MULTIROLLE
Komfort im Umgang + +
Die Rutenhaltung und das gleichzeitige Kurbeln übt beim längeren Angeln mit einer Stationärrolle wegen der großflächigen Drehbewegungen hohe Belastung auf das Handgelenk aus.
+ + +
Bei einer Multirolle läuft alles sehr kompakt ab: die eine Hand kurbelt, die andere nimmt die Rolle in die Handfläche und hält somit auch die Rute fest. Das Fischen bleibt dabei über lange Zeit entspannt.
Passende Rute + + +
Zu stationären Rollen passen alle konventionellen Ruten für diverse Angel-Techniken. Nur die Unterscheidung nach dem Wurfgewicht und nach Ruten-Aktion ist relevant.
+ +
Zu Multirollen passen am besten Ruten mit Triggergriff (besseres Handling) und den sehr eng am Rutenblank sitzenden Ringen. Klassifikation nach Ruten-Aktion und Wurfgewicht ist hier ebenso relevant.
Bremssystem + + +
Stationärrollen verfügen in der Regel über eine einzige Bremse, die das Haken und das Drillen des Fisches ermöglicht.
Die Handhabung ist einfach.
+ + +
Eine Multirolle hat mehrere Bremssysteme:
1. Gegen die Überdrehung der Spule beim Auswerfen. Die Handhabung dieses Bremssystems ist etwas kompliziert.
2. Zur Regulierung des Widerstands beim Haken und Drillen. Der Umgang mit dieser Bremse ist einfach und noch flexibler als bei einer Stationärrolle.
Wurfweite + + +
Bei einer Stationärrolle nimmt der Köder nach dem Auswurf die Schnur von der Spule ohne Widerstand auf. Der Köder fliegt also sehr weit aber auch unstabilisiert. Dabei kommt oft vor, dass ein Wobbler im Flug zu flattern beginnt. Dadurch verfängt sich die Schnur oder das Vorfach häufig in den Drillingen.
+ +
Durch eine kontrollierte Drehung der Spulenachse bremst eine Multirolle den Köder nach dem Auswerfen im gesamten Flug etwas ab. Der Köder wird also im Flug stabilisiert, sein Flattern und somit die Verwicklungen der Schnur werden verhindert. Allerdings verkürzt sich dadurch auch die Wurfweite etwas.
Wurfpräzision + +
Eine Stationärrolle erlaubt kurze und starke ruckartige Würfe, die auch in eingeschränkten räumlichen Verhältnissen, (z.B. zwischen Bäumen) getätigt werden können. Die Präzision der Würfe ist aber nicht optimal.
+ + +
Die Multirolle verlangt nach einem gleichmäßig beschleunigten Wurf. Um diesen zu bewerkstelligen, braucht man viel Platz. Dabei fängt die Schwungbewegung hinten langsamer an und beschleunigt sich zum Auswurf. Dadurch ist die Wurfpräzision bei Multirollen wesentlich höher als bei Stationärrollen.
Wurfgewicht + + +
Die leichtesten Köder (1-5 g) lassen sich mit der Stationärrolle und einer passenden Rute immer noch anständig auswerfen, da die Spule einer Stationärrolle beim Auswurf fest fixiert ist und nur die Schnur im freien Lauf abgegeben wird.
+ +
Eine Multirolle braucht immer ein Mindestgewicht, um überhaupt in Bewegung zu kommen und dadurch die Schnur entsprechend freizugeben. Mit weniger als 7 Gramm Ködergewicht ist bei den meisten Multi-Modellen nichts zu holen.
Gegenwind + + +
Das Auswerfen des Köders beim Gegenwind ist mit einer Stationärrolle unproblematisch möglich.
+
Bei einer Multirolle überschlägt sich die Spule beim Auswerfen gegen den Wind häufig und bildet „Perücken“.
Köderkontakt ++
Bei einer Stationärrolle kommt die Schnur beim Einkurbeln nicht direkt auf die Spule, sondern wird erst mithilfe des Fangbügels durch eine konstruierte Umlenkung in einem 90° Winkel aufgespult.
+ + +
Bei einer Multirolle gibt es beim Schnureinzug gar keine Umlenkungen. Die Schnur verbindet den Köder und die Spule unmittelbar miteinander. Der Köderkontakt ist also absolut direkt und somit besser spürbar.
Vertikal-Angeln +
Beim Tiefenwechsel muss man bei einer Stationärrolle mit beiden Händen arbeiten: Bügel umklappen, die Schnur abgeben und den Bügel wieder zuklappen.
+ + +
Bei einer Multirolle genügt dafür nur eine Hand – mit einem einzigen Tastendruck wird der Köder sofort auf die notwendige Tiefe befördert.
Robustheit + +
Eine Stationärrolle hat groß geformte sensible Details (z.B. Fangbügel), die herausragen und somit in der Praxis leichter beschädigt werden können.
+ + +
Eine Multirolle ist viel kompakter und bündiger gebaut als die Stationärrolle. Somit bleibt sie auch bei häufiger aktiver Nutzung länger unbeschädigt.
Wartung + + +
Die Wartung der Stationärrollen ist einfach und kann in großen Zeitabständen durchgeführt werden.
+ +
Eine Multirolle verlangt nach einer öfteren und aufwendigeren Wartung, da sie komplexe feinmechanische Mechanismen aufweist.

Fazit

Auch wenn die oben geschilderten Vor- und Nachteile beider Rollensysteme bei dem einen oder anderen Angler das Interesse zugunsten einer Multirolle  geweckt haben sollte, muss man sich dennoch dessen bewusst bleiben, dass ein routinierter Umgang mit einer Multirolle sich viel schwieriger aneignen lässt, als der mit einer Stationärrolle.

Um mit einer Multirolle entspannt und zugleich geschickt umzugehen, braucht man sehr viel Übung. Man sollte sich darauf gefasst machen, dass der Lernprozess lang und manchmal sehr frustrierend sein wird. Wer allerdings am Ball bleibt und Ausdauer mit Hartnäckigkeit beweist, wird am Ende die Vorteile einer Multirolle nicht mehr vermissen wollen.

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