Angeln bei Niedrigwasser

Niedriger Pegel im Sommer bedeutet für den Angler nichts Gutes: Unter Wasser wird es immer enger und sauerstoffarmer. Als Resultat bekommen viele Fische Beißhemmung.

Niedrigwasser gibt es immer öfter und es dauert länger

Niedrigwasser

Niedrigwasser

War der niedrige Wasserpegel in der Vergangenheit eher eine zeitlich begrenzte Erscheinung, die höchstens mal ein Monat dauerte, herrscht das Niedrigwasser in der Gegenwart eine gefühlte Ewigkeit. Bis in den Herbst hinein werden die Angler mit dem niedrigen Pegel konfrontiert und müssen sich daraufhin einstellen. Wer jetzt in unseren Flüssen den Raubfischen nachstellen möchte, muss ihre Standorte ausfindig machen, die ganz anderswo zu finden sind, als es beim normalen Pegel der Fall war.

Zander-Hotspots beim Niedrigwasser

Zander sind ausgesprochene Strömungsfische. Vor allem in den warmen Jahreszeiten suchen sie sich Buhnenköpfe im Fluss aus, die tief sind, gut durchgeströmt werden und zugleich an ruhigere Wasserbereiche angrenzen. Dabei wird die sogenannte und beim Raubfischangeln im Fluss allgegenwärtige Strömungkante gebildet. Hier ist das Wasser durch die Verwirbelungen besonders stark mit Sauerstoff angereichert, sodass die Fische buchstäblich durchatmen können. Zugleich bietet der Stromungsschatten einen sehr guten Versteck für Zander, wo sie sich auf die Lauer legen können, um Beute zu reißen.

Zander

Zander

Viele Buhnenköpfe, die beim  normalen Wasserpegel überaus attraktiv für Zander waren, sind bei Niedrigwasser schlicht zu flach. Allerdings gibt es an unseren großen Flüssen bei jedem Pegelstand immer noch einige wenige Buhnen, die tief genug sind, gut durchströmt werden und eine ausgeprägte Strömungskante bilden. Oft sind es Stellen an stark gebogenen Außenkurven mit viel Baumvegetation am Ufer, die die Unterspülung verhindert. Achten Sie an diesen Stellen auf die Rückströmung, die für Zander besonders attraktiv ist, weil das Wasser hier permanent in Bewegung bleibt und den Grund gut durchspült, sodass dieser nicht verschlammt.

Richtige Fangtaktik ist wichtig

Man sollte bedenken, dass gerade kapitale Raubfische bei hohen Wassertemperaturen, niedrigem Wasserstand und verringertem Sauerstoffgehalt sich nicht selten in einer Art Hitzestarre befinden und daraus regelrecht rausgeholt werden müssen. Daher sollte man sich im Sommer beim Niedrigwasser eine andere Angeltaktik als sonst überlegen. Anstatt z.B. entlang des Ufers zu ziehen, sucht man sich jetzt am besten eine einzige gute Stelle und beangelt diese Stunden lang, wenn es sein muss auch den ganzen Tag hindurch. Pausen dazwischen sind aber natürlich erlaubt und erwünsch, weil auch die Fische eine Pause vor einer Kunstköder-Invasion brauchen.

Andere vielversprechende Angelstellen fürs Zanderangeln, die bei niedrigem Wasserstand viel Strömung bündeln und auf Fische anziehend wirken, sind z.B. direkt in der Strömung stehenden Brückenpfeile und vor allem Wehre. Letztere sind für die Fische gerade im Sommer fast wie eine Kur – mehr Sauerstoff als unmittelbar unter einem Wehr kann nirgendwo sonst im Fluss ins Wasser gelangen.

Hechte-Hotspots bei niedrigem Wasserpegel

Sommerhecht

Sommerhecht

Anders als die Zander meiden die Hechte die Strömung, weil sie zu schnell müde werden, wenn sie dagegen steuern müssen. Zugleich brauchen sie aber genauso viel Sauerstoff. Daher teilen sich die beiden Raubfisch-Arten nicht selten ihren Standort beim niedrigen Wasserstand. Während die Zander ganz dich an der Strömumgskante stehen, ziehen sich die Hechte etwas tiefer in den angrenzenden Ruhigwasserbereich zurück.

Die besten Hotspots sind also diejenigen, wo es eine Rücktrömung entsteht, die einen großen und fast das ganze Buhnenfeld umfassenden Wirbel enstehen lässt. Während die Zander hier am Buhnenkopf stehen, sind die Hechte in der Mitte des Wirbels vorzufinden. Darüber hinaus gibt es an diesen Buhnen auch Barsche, nicht selten auch kapitale Exemplare, und die sogenannten zahnlosen Räuber – die Rapfen und Döbel. Generell erkennen Sie eine vielversprechende Buhne an den Schwärmen der Fischbrut, die sehr nah am Ufer den Schutz vor Räuber suchen.

Die Gunst der Stunde nutzen

Extrem niedriger Wasserstand hat für den Angler neben den Nachteilen zugleich einen entscheidenden Vorteil: Erst jetzt können wir die Bodenstrukturen in einem Fluss richtig ausforschen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wird man später beim Durchschnittspegel sehr effektiv anwenden können.

Folgende Aufnahmen wurden an der Elbe um Wittenberge beim Wasserpegel von 70 cm gemacht. Selbst auf den Fotos erkennt man Unregelmäßigkeiten in den Bodenstrukturen, die durch die Strömung geschaffen werden und die beim normalen Wasserstand unsichtbar sind.

Niedrigwasser an der Elbe

Niedrigwasser an der Elbe

Elbe bei Niedrigwasser

Elbe bei Niedrigwasser

Niedrigwasser an der Elbe bei Wittenberge

Niedrigwasser an der Elbe bei Wittenberge

Neben den in Steinpackungen verloren gegangenen Ködern, die das Niedrigwasser freigibt, trifft man am Ufer immer wieder auf eine Überraschung. So wie diese noch volle und dichte Bierflasche, deren Inhalt nach dem Öffnen immerhin noch anständig gerochen hat. Die Marke wird hier natürlich nicht weiter kommuniziert.

Bierflasche im Wasser

Bierflasche im Wasser

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