Schlammpeitzger: Alle Infos zum schlangenähnlichen Fisch

Obwohl Schlammpeitzger dem Aal ähnlich aussieht, gehört er zur Familie der Karpfenfische und weist eine Reihe bemerkenswerter Eigenschaften auf.

Schlammpeitzger

Schlammpeitzger. Bild: Tiit Hunt, CC BY-SA 3.0

Steckbrief Schlammpeitzger

  • Name: Europäischer Schlammpeitzger. Engl.: Weatherfish
  • Wiss. Name: Misgurnus fossilis
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie:  Steinbeißer (Cobitidae)
  • Gattung: Schlammpeitzger (Misgurnus)
  • Verbreitung: Mittel- und Osteuropa
  • Lebensraum: schlammige Böden in Flüssen und Seen
  • Nahrung: kleine Krebse, Schnecken, Muscheln, Insektenlarven
  • Verhalten: Friedfisch, Einzelgänger, nachtaktiv
  • Maximale Größe: 35 cm
  • Maximales Alter: 10 Jahre
  • Körperform: schlangenartig und walzenförmig, rund im Querschnitt
  • Körperfarbe: dunkelbrauner Rücken, braune Flanken mit dunklen Längsstreifen
  • Maul: klein und unterständig
  • Schuppen: sehr klein und glatt
  • Flossenformel: D 3/5–6, A 3/8–11, C 14–16
  • Geschlechtsreife: mit 3 Jahren
  • Laichzeit: April-Juni
  • Wirtschaftliche Bedeutung: aufgrund geringer Populationen in Europa als Speisefisch unbedeutend / in Asien beliebter Zuchtfisch
  • Kulinarische Qualität: saftiges und leicht süßliches Fleisch ohne Gräten / kann gebraten, gekocht, geräuchert und gebacken werden
  • Nährwert (100 g Fisch): 149 kcal / 17 g Eiweiß / 9 g Fett
  • Angeln: seltener Fang beim Grundangeln
  • Aquarium: lässt sich unkompliziert im Aquarien halten, in Japan gilt er als „Wetterfisch“
  • Gefährdung: durch Trockenlegungen und Drainagierungen z.T. stark gefährdet

Herkunft und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Schlammpeitzgers erstreckt sich von Mitteleuropa (nördlich der Alpen) bis zum Stromgebiet der Wolga in Russland. Auf dem Balkan gibt es Schlammpeitzger-Population im Stromgebiet der Donau. Der schlangenartige Fisch lebt bevorzugt in schlammigen Böden stehender oder langsam fließender Gewässer.

Lebensweise des Schlammpeitzger

Der Schlammpeitzger ist nachtaktiv und hält sich tagsüber verborgen. Vor einem Wetterwechsel wird er oft unruhig und schnappt häufig an der Wasseroberfläche nach Luft, was ihm den Namen „Wetterfisch“ beschert hat. Bemerkenswert ist seine Fähigkeit, die Luft nicht nur mit den Kiemen sondern auch mit dem stark durchbluteten Darm aufnehmen. Dadurch kann der Schlammpeitzger auch in sehr sauerstoffarmen Gewässern überleben und sogar gedeihen.

Interessante Fakten über Schlammpeitzger

  • Wenn das Gewässer austrocknet, fährt der Schlammpeitzger sein Metabolismus zurück und hält eine Art Winterschlaf. Dabei gräbt er sich in den Schlamm ein und kehrt erst nach dem Regen zum aktiven Leben zurück.
  • Dem Schlammpeitzger wird nachgesagt, dass er Gewitter, Tsunamis, Erdbeben und andere Naturphänomene vorhersagen kann. Kurz davor gerät er in Panik und streckt oft sein Maul aus dem Wasser.
  • Einige Angler berichten von ihren Beobachtungen ausgewachsener Schlammpeitzger, die in taufrischen Morgenstunden von einem Gewässer zum anderen kriechen.
  • Wenn ein Schlammpeitzger aus dem Wasser gezogen wird, gibt er ein eigenartiges Quietschgeräusch von sich, das auf das Entweichen von Luft durch die Analöffnung zurückzuführen ist.

Wichtige Merkmale

Europäischer Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)

Europäischer Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)

Der Europäische Schlammpeitzger hat einen aalartig langgestreckten Körper, der vorne walzenförmig und im Querschnitt drehrund ist, hinten aber seitlich etwas abgeflacht. Seine Haut ist stark schleimig, die Schuppen sehr klein. Das unterständige Maul ist eng, der Oberkiefer trägt sechs Barteln, der Unterkiefer vier.

Schlammpeitzger sind bräunlich gefärbt mit einem dunkelbraunen Rücken und helleren Seiten. An beiden Seiten haben die Fische dunkle Längsstreifen, die ihnen ein charakteristisches Muster verleihen. Die Bauchseite ist hell. Die Schwanzflosse ist abgerundet, die Seitenlinie unvollständig.

Wie groß wird ein Schlammpeitzger?

Einzelne ausgewachsene Schlammpeitzger können bis zu 35 Zentimeter lang werden, die übliche Größe beträgt 18-25 Zentimeter.

Wie ernährt sich Schlammpeitzger?

Der Schlammpeitzger ernährt sich von kleinen Wirbellosen, Insektenlarven, Krebsen, Schnecken und Muscheln, die er am Gewässerboden mit seinen Barteln aufspürt. Auch Fischeier verschmäht er nicht.

Fortpflanzung der Schlammpeitzger

Unter Wasser

Unter Wasser

Der Schlammpeitzger wird im Alter von 3 Jahren geschlechtsreif. Seine Fruchtbarkeit ist hoch und beträgt bis zu 150.000 Eier. Die Brutzeit dauert 5-7 Tage. Die Laichzeit liegt zwischen April und Juni. Die Eier werden an Pflanzen und deren Wurzeln abgelegt. Männchen (Milchner) und Weibchen (Rogner) zeigen ein Laichverhalten, bei dem sie einander umschlängeln.

Kulinarische Bedeutung

In Europa gilt der Schlammpeitzger als kein kulinarisch bedeutender Fisch, obwohl sein Fleisch süßlich, fett, saftig und praktisch ohne kleine Gräten ist. In Asien ist er hingegen sehr beliebt, wo er in kleinen künstlichen Teichen oft gezüchtet wird.

Schlammpeitzger im Aquarium

Schlammpeitzger werden oft in Aquarien gehalten. Insbesondere in Japan dient er als „Wetterfisch“ und kann sogar Tsunamis vorhersagen. Für seine Haltung wird ein geräumiger Becken mit mindestens 200 Liter Volumen pro Individuum benötigt. Das Aquarium benötigt auch einen Deckel, da die Fische beim heranziehenden Unwetter unruhig werden und leicht heraus springen.

Der Schlammpeitzger kommt gut mit anderen Fischarten aus, verhält sich aber isoliert. Wie in der freien Wildbahn ist er auch im Aquarium überaus gefräßig und kommt mit diversen Futtersorten gut zu recht. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Fische nicht überfüttert werden. Weiterhin mögen die Schlammpeitzger diverse Unterstände, wie z.B. Steine, Baumwurzeln wie auch Pflanzen, die sie als Unterschlüpf nutzen.