Karausche: Biologie, Verhalten, Lebensraum im Detail

Obwohl Karausche eine überaus anpassungsfähige Art ist, die nur wenige Ansprüche an ihren Lebensraum stellt, sind ihre Bestände in Europa gefährdet.

Karausche

Karausche

Steckbrief Karausche

  • Name: Karausche (auch Boretsch, Guratsch und Kotbuckel genannt). Engl.: Crucian carp
  • Wiss. Name: Carassius carassius
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Gattung: Carassius
  • Verbreitung: Europa, fast ganz Russland
  • Lebensraum: stehende und langsam fließende Binnengewässer mit viel Vegetation
  • Nahrung: kleine wirbellose Tiere, Wasserpflanzen
  • Natürliche Feinde: Hecht, Zander, Wels, Kormoran
  • Verhalten: Friedfisch, Schwarmfisch
  • Maximale Größe: 55 cm
  • Maximales Gewicht: 5 kg
  • Maximales Alter: 25 Jahre
  • Körperform: stark hochrückig, seitlich abgeflacht
  • Körperfarbe: brauner bis olivgrüner Rücken, messinggelbe Flanken
  • Maul: klein und endständig
  • Schuppen: groß und glatt
  • Schuppenformel: 31-35 SL
  • Flossenformel: D III-IV/13-21, A III/5-8, P I/12-13, V II-III/7-8
  • Geschlechtsreife: mit 3-4 Jahren
  • Laichzeit: von Mai bis Juli
  • Wirtschaftliche Bedeutung: gefragter Zuchtfisch in Aquakulturen, auch als Angelfisch beliebt
  • Kulinarische Qualität: beliebter Speisefisch mit hohem Fettgehalt / optimal geeignet zum Braten, Dünsten, Backen und Grillen
  • Nährwert (100 g Fisch): 105 kcal / 18 g Eiweiß / 3,8 g Fett
  • Angeln: beliebter Zielfisch beim Grundangeln, gilt als sehr vorsichtig und schwer zu fangen (Angeln auf Karausche)
  • Gefährdung: durch industrielle Austrocknung der Landflächen z.T. akut gefährdet

Herkunft und Lebensraum

Die Karausche gehört zur Familie der Karpfenfische und sieht dem Karpfen ähnlich. Zugleich ist sie wesentlich kleiner als der Karpfen und verfügt nicht über die charakteristischen Barteln. Sie steht in naher Verwandtschaft zum Giebel, der als Stammform des Goldfisches angesehen wird. Eine Hybridisierung ist somit sowohl mit dem Karpfen als auch mit dem Giebel möglich. Die Bastarde sind dementsprechend schwer zu bestimmen.

In Europa konzentriert sich der Schwerpunkt der Karauschen-Verbreitung auf den mittleren Teil. In den nördlichen Gebieten Englands und Skandinaviens, in Irland, in Nordspanien, in fast ganz Italien und im Alpenraum fehlt sie. In Russland kommt die Karausche praktisch im ganzen Land vor und ist dort in vielen Regionen sowas wie der Wappenfisch. Nur im hohen Norden und im Osten Russlands fehlt sie. Dieser Art liebt alle sumpfige Flachlandseen und meidet Gewässer in gebirgigen Regionen.

Widerstandsfähigkeit der Karausche

Schlamm ist das Lebenselement der Karausche. Hier fühlt sie sich am wohlsten und findet ihre Nahrung in Hülle und Fühle. Eingegraben im Schlamm kann sie sowohl die Trockenzeit als auch die härtesten russischen Winter unbeschadet überstehen. Es gibt Berichte über Karauschen, die aus einer Tiefe von 70 cm lebend aus dem Schlamm eines völlig ausgetrockneten Teiches ausgegraben wurden. In Russland weißt jedes Kind, dass die Karauschen selbst in kleinen Teichen, nachdem diese den ganzen Winter komplett zugefroren waren, mit der Eisschmelze putzmunter wieder auftauchen und jedes Jahr aufs neue beangelt werden können.

Interessante Fakten über Karausche

Karausche

Karausche

  • Über die Herkunft der Karausche gibt es in Europa zwei unterschiedliche Meinungen. Einige Biologen vertreten die Ansicht, die Art stammt ursprünglich aus dem chinesischen Raum und wurde künstlich in Europa eingeführt. Die andere Seite geht davon aus, dass ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Mittel- und Osteuropa liegt und es sich um eine heimische Fischart handelt.
  • Die Karausche ist ein beliebter Speisefisch, der in vielen europäischen Aquakulturen gezüchtet wird. Mittlerweile hat die Zucht-Karausche auch Indien und Nordamerika erreicht. Dort wurde sie in manchen Regionen in die freie Wildbahn ausgesetzt und verbreitet sich zum Teil auch in natürlicher Umgebung.

Wichtige Merkmale

Karausche

Karausche

Die Körperform der Karausche ist auffällig hochrückig. Ihr Maul ist sehr klein und endständig. Die Schuppen sind groß. An der Seitenlinie können zwischen 31 bis 35 Schuppen gezählt werden. Die Rückenflosse verläuft bogenförmig, die Afterflosse ist kurz und die Schwanzflosse kaum eingekerbt. Ihr Rücken ist braun bis olivgrün gefärbt. Richtung Bauch nehmen die Schuppen eine messinggelbe bis gelbe Färbung an. Die Flossen haben eine braune und am Bauch eine rote Farbe. Die Schwanzwurzel weist einen querstehenden dunklen Fleck auf.

Das äußere Erscheinungsbild der Karausche hängt von ihrer Position in der Nahrungskette des Gewässers ab. Daher muss zwischen der schnellwüchsigen Seeform und der langsam wachsenden Teichform unterschieden werden. Mit ihrem großen Kopf ähnelt die Teichkarausche eher dem Karpfen. Ihr Körper ist insgesamt auch flacher als bei der Seekarausche. Insbesondere in nährstoffreichen Seen nimmt die Karausche eine hochrückige und diskusförmige Gestalt an.

Wie ernährt sich Karausche?

Die Karausche ernährt sich hauptsächlich von kleinen wirbellosen Bodentieren wie z.B. Zuckmückenlarven, Eintagsfliegenlarven, Wasserflöhen, Würmern etc. Auch Plankton und Wasserpflanzen spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Karauschen.

Fortpflanzung der Karausche

Karauschen erreichen ihre Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren. Bedingt durch ihr langsames Wachstum sind sie in diesem Alter meist lediglich 15 cm lang. Die Laichzeit beginnt im Mai, wenn die Wassertemperatur auf mindestens 14 Grad Celsius ansteigt und endet im Juni. Zwischen 150.000 bis 300.000 Eier legt ein Weibchen in mehreren Etappen ab. Die etwa 1,5 mm großen Eier bleiben im seichten Gewässerbereich leicht an Pflanzen kleben. Die Junglarven schlüpfen nach etwa drei bis sieben Tagen.

Gefährdung der Karauschen

Obwohl die Karausche als sehr anpassungsfähig gilt, steht sie in Deutschland mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen werden ihre natürlichen Habitate, die meist Kleingewässer sind, immer mehr durch die Landwirtschaft und industrielle Austrocknung zerstört.

Weiterer Grund für den Rückgang der Karauschenbestände kann an dem eingeführten Giebel (Carassius gibelio) liegen, der die unmittelbare Konkurrenz für Karausche darstellt. Auch die Hybridisierung mit dieser Art beeinflusst die Karauschenbestände negativ. Nicht zuletzt ist der Kormoran dafür bekannt, einen Faible für Karauschen zu haben und diese mit Vorliebe zu fressen.