Moderlieschen im Porträt: Steckbrief, Biologie, Habitat

Moderlieschen ist ein kleiner, flinker Friedfisch, der in vielen einheimischen Binnengewässern vorkommt und sich auch im Aquarium halten lässt.

Moderlieschen

Moderlieschen. Bild: Viridiflavus, CC BY-SA 3.0

Steckbrief Moderlieschen

  • Name: Moderlieschen (auch Modke, Witting oder Zwerglaube genannt). Engl.: Sunbleak
  • Wiss. Name: Leucaspius delineatus
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Weißfische (Leuciscidae)
  • Gattung: Leucaspius
  • Verbreitung: Zentraleuropa, Westrussland
  • Lebensraum: stehende und langsam fließende Binnengewässer
  • Nahrung: Zooplankton, Zuckmückenlarven, Käfer, Fischeier
  • Natürliche Feinde: Zander, Hecht, Forelle, Barsch, Rapfen
  • Verhalten: friedlicher Schwarmfisch
  • Maximale Größe: 12 cm
  • Maximales Alter: 6 Jahre
  • Körperform: spindelförmig
  • Körperfarbe: dunkler Rücken, hellsilbrige Flanken, bläulicher Streifen entlang der Seitenlinie
  • Maul: mittelgroß und oberständig
  • Schuppen: winzig und glatt
  • Schuppenformel: SL 44-50
  • Flossenformel: D II-III/7-9, A III/10-13, P I/13, V II/8
  • Geschlechtsreife: mit 2 Jahren
  • Laichzeit: April-Juni
  • Wirtschaftliche Bedeutung: aufgrund von winziger Größe als Speisefisch kaum bedeutend
  • Kulinarische Qualität: zartes Fleisch und vielen Gräten / in Russland als selbstgemachte „Sprotte“ und Stockfisch beliebt
  • Angelsport: wird gerne als Köderfisch fürs Angeln auf Barsch und Zander verwendet
  • Aquarium: von allen Fischen der einheimischen Fischfauna am besten fürs Aquarium (ab 300 Liter) geeignet
  • Gartenteich: lässt sich gut in kleinen Schwärmen (mind. 10 Fische) im Gartenteich halten
  • Gefährdung: lokal durch Entwässerung und Umweltverschmutzung gefährdet

Herkunft und Lebensraum

Moderlieschen

Moderlieschen

Das Moderlieschen ist die einzige Art der Gattung Leucaspius in der Familie der Karpfenfische. Sie ist in europäischen Flusseinzugsgebieten weit verbreitet, darunter Rhein, Elbe, Donau, Wolga und andere. Die Moderlieschen fehlen in Großbritannien, Südwestfrankreich, auf der Iberischen Halbinsel, in Italien, weitgehend auf der Balkanhalbinsel, sowie in Norwegen und Schweden.

Obwohl Moderlieschen in vielen Regionen in großer Zahl verbreitet ist, ist dieser Fisch wegen seiner geringen Größe als Nahrungsmittel nicht gefragt, wenn auch sein Fleisch zart und schmackhaft ist. Gleichzeitig dient er als Nahrungsgrundlage für viele Raubfische.

Lebensweise des Moderlieschens

Die bevorzugten Lebensräume des Moderlieschens sind langsam fließende Flüsse, Seen, künstliche Teiche sowie Baggerseen mit sandigem, leicht verschlammtem Boden. Es ist ein Schwarmfisch, der sich im Sommer in der warmen Wasseroberflächenschicht aufhält und tagsüber, zum Teil auch nachts, aktiv ist. In der kalten Jahreszeit taucht er in die Tiefe ab. Im Frühjahr und Herbst hält sich Moderlieschen in Bodennähe auf, im Winter vergräbt er sich im Schlamm.

Wie alt wird ein Moderlieschen?

In der freien Wildbahn erreichen Moderlieschen nur selten das Alter von 6 Jahren. Für gewöhnlich werden sie viel früher von Raubfischen gefressen.

Wichtige Merkmale

Der Rücken des Moderlieschens ist braungrünlich, die beiden Flanken hellsilbrig. Alle Flossen sind farblos. Ein leicht bläulicher aber gut sichtbarer Streifen zieht sich an den Seiten entlang und ist für diese Art charakteristisch. Besonders gut ist der Streifen im hinteren Teil des Körpers zu sehen.

Die Färbung des Moderlieschens kann je nach Art des Bodens heller oder dunkler sein. Zur Laichzeit erscheinen am Kopf der Männchen ein Epithelknötchen, während die Weibchen eine knorrige Verdickung um die Harnröhre herum aufweisen.

Wie unterscheidet sich Moderlieschen von Laube?

Moderlieschen

Moderlieschen

Obwohl Moderlieschen der Laube (Ukelei) sehr ähnlich aussieht, gibt es dennoch klare Unterscheidungen: Der Körper des Moderlieschens ist schmal und länglich, die Augen sind groß und befinden sich an der Spitze des Kopfes. Der Körper des Ukeleis hingegen ist breiter und auf beiden Seiten abgeflacht. Die Augen sind konvex und befinden sich unterhalb der Stirnlinie.

Wie ernährt sich Moderlieschen?

Das Moderlieschen ist ein kleiner aber für seine Größe sehr gefräßiger Fisch. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Jungfische zuerst von kleinem Zooplankton. Mit zunehmendem Alter wechselt der Fisch zu größerer Nahrung – den Zuckmückenlarven, Eintagsfliegen sowie auch zu anderen Insekten wie z.B. kleine Käfer. Das Moderlieschen frisst aber gerne auch Fischeier und Fischlarven. Tagsüber schwimmt er in Oberflächennähe und ernährt sich von Fluginsekten.

Fortpflanzung des Moderlieschens

Das Moderlieschen wird früh geschlechtsreif – im Alter von 2 Jahren und einer Länge von etwa 4 cm. Das Laichen findet im April-Juni statt und erfolgt je nach Region in 3-5 Etappen. Die Weibchen legen ihre Eier in einer Tiefe von 1-1,5 m ab, wo sie an der Unterseite von Seerosenblättern, Algen, oft auch an Ästen, Baumstümpfen und anderem Substrat haften bleiben. Nach etwa 6-10 Tagen schlüpfen die etwa 5 mm großen Larven und begeben sich sofort auf Nahrungssuche.

Moderlieschen im Aquarium

Von allen einheimischen Fischarten gelten Moderlieschen als die verträglichste Spezies bei Aquarienhaltung, was allerdings nicht bedeutet, dass sie komplett anspruchslos sind. Auch die Haltung von Moderlieschen erfordert eine sorgfältige Berücksichtigung mehrerer Faktoren. Zunächst soll die Wassertemperatur zwischen 12°C und 18°C betragen, da Moderlieschen kühles Wasser bevorzugen. Weiterhin ist neutraler bis leicht alkalischer pH-Wert von 7 bis 8, sowie die Gesamthärte von 12 bis 18 °dGH notwendig, damit sich die kleinen Fische wohl fühlen.

Das Aquarium für Moderlieschen sollte ausreichend groß sein, um genügend Platz und Schwimmraum zu bieten. Da sie Schwarmfische sind, dürfen Moderlieschen nicht einzeln gehalten werden. Optimal für Aquariumhaltung ist eine Gruppe von 10-15 Fischen. Um das richtige Beckenvolumen zu ermitteln, rechnet man 3 Liter Wasser auf 1 cm Fisch. So wäre für eine Gruppe von 10 Moderlieschen ein mindestens 300 Liter großes Aquarium notwendig. Auch die Versteckmöglichkeiten in Form von Pflanzen, Wurzeln und Steinen sind unerlässlich, da diese Fische Deckung und Rückzugsorte benötigen.