Europäischer Aal: Alles über den Fisch

Der Aal ist nicht nur visuell ein auffälliges Geschöpf. Auch hinsichtlich seines Verhaltens unterscheidet er sich von den meisten anderen Fischen.

Allgemeines über den Aal

  • Name: Europäischer Aal. Engl.: European eel
  • Wissenschaftlicher Name: Anguilla anguilla
  • Ordnung / Familie: Aalartige / Anguillidae
  • Vorkommen: europäische Binnenseen und Flüsse
  • Habitat: schlammige Böden fließender Gewässer
  • Max. Größe / Gewicht: 150 cm / 6 kg
  • Gefährdung: stark gefährdet
Aal

Aal

Lebensraum des Aals

Der Aal lebt in den Binnengewässern und Flüssen in ganz Europa, wobei die größten Bestände in den Flüssen zu finden sind, die in die Ostsee und das Mittelmeer münden. Tagsüber sucht der Aal Schutz auf dem Gewässerboden und vergräbt sich im Schlamm. In der Nacht wird er aktiv und begibt sich auf Nahrungssuche. Dank der dicken Schleimschicht auf seiner Haut kann der Aal Hunderte von Metern durch nasses Gras und Erde kriechen und so von einem Gewässer ins andere gelangen.

Anatomische Merkmale

Der Aal hat einen markanten schlangenähnlichen Körper, der im Querschnitt zylindrisch ist. Sein Kopf ist klein und leicht abgeflacht. Auch sein Maul ist im Vergleich zu anderen Raubfischen eher kompakt als groß und mit kleinen, scharfen Zähnen versehen. Der Körper des Aals ist mit einer Schleimschicht überzogen, unter der sich kleine längliche Schuppen befinden. Sein Rücken ist braun oder schwarz, die Seiten sind gelb, und der Bauch ist gelblich oder weiß.

Nahrung des Aals

Aal

Aal

Aale fressen nur in der warmen Jahreszeit, meist nachts. Tagsüber graben sie sich in den Boden ein und lassen nur ihren Kopf nach außen. Mit dem Einsetzen des Frostes stellen sie die Nahrungsaufnahme bis zum Frühjahr fast komplett ein. Die Aale sind Raubfische und ernähren sich von verschiedenen kleinen Fischen, Krebstieren, Würmern, Larven, Muscheln und Schnecken. Die Größe seiner Beute wächst proportionell eigener Körpergröße.

In Europa gibt es zwei Unterarten von Aalen: der Breitkopf- und der Spitzkopf-Aal. Beide Spezies haben unterschiedliche Nahrungspräferenzen. So jagen und fressen die Breitkopf-Aale überwiegend kleinere Fische, wohingegen sich Spitzkopf-Aale auf Krustentiere und Würmer spezialisiert haben. Angler wissen ganz genau, welche Art in ihrem Gewässer heimisch ist und wählen dementsprechend den passenden Köder (im nächsten Beitrag erfahren Sie mehr zum Thema Aal angeln).

Fortpflanzung des Aals

Erst im 20. Jahrhundert hat man entdeckt, dass Europäische Aale in dem tiefen und warmen Sargassosee laichen. Dabei überwinden sie eine immense Entfernung von 5.000 km, um vom europäischen Binnenland zum Saragossasee zu gelangen. Da der Laichvorgang noch nicht beobachtet wurde, wird vermutet, dass die Fische in einer Tiefe von 400 m laichen, wo die Wassertemperatur zwischen 16 und 17 °C beträgt.

Die kleinen Aallarven steigen an die Oberfläche und beginnen ihre Wanderung mit dem Golfstrom zu den Küsten Europas, die je nach Studien ein bis drei Jahre dauern kann. In Deutschland kommen die Jungfische (die wegen ihrer durchsichtigen Körper Glasaale genannt werden) im Frühjahr an der Ostseeküste an und gelangen über die Zuflüsse ins Landesinnere. Der Kreis schließt sich.

Also doch Tiefseefisch?

Tiefsee

Tiefsee

De Aal ist im Grunde genommen ein Tiefseefisch, der in Atlantik geboren wird und dorthin zurückkehrt, um sich fortzupflanzen. Bis es allerdings soweit ist, lebt er in unseren Flüssen und Seen, sammelt Muskelkraft und Fettreserven, die ihm später auf einer langen Reise gute Dienste leisten werden. Im Alter von 4-5 manchmal auch 10 Jahren bricht er auf, legt dabei Tausende von Kilometern zurück und überwindet alle Hindernisse.

Wie alt kann ein Aal werden?

Die Lebenserwartung und somit die Größe der Aale hängt davon, ob sie zum Laichen den Atlantik erreichen können oder nicht. Denn nach dem Laichen sterben sie. Leben Aale in Gewässern ohne den Zugang zu Atlantik oder gar in Gefangenschaft, können sie das stolze Alter von etwa 50 Jahren erreichen.

Kulinarische Qualitäten

Aal

Aal

Das Fleisch des Aals enthält ca. 30 % hochwertige Fette, etwa 15 % Proteine und einen Komplex von Mineralstoffen. Darüber hinaus enthält es eine große Menge an Vitaminen A, B1, B2, D und E. Der Verzehr von Aal hat im Allgemeinen eine positive Wirkung auf den menschlichen Organismus. Dennoch raten die Ärzte den übergewichtigen Menschen, sowie bei Gastritis, Gallenblasen- und Lebererkrankungen davon ab, diesen Fisch zu essen.

Das Fleisch des Aals ist mild und schmeckt vorzüglich. Es gilt fast überall auf der Welt als Delikatesse. Allerdings wird Aal in keinem Land roh gegessen, selbst in Japan nicht, da sich Giftstoffe in seinem Blut befinden. Diese werden durch die Wärmebehandlung komplett zerstört. So wird der Aal gebraten, gekocht, geräuchert, gebacken und mariniert. Auch in Dosen ist er sehr beliebt und wird vielen in Supermärkten angeboten.

Besondere Gefährdung

Der Europäische Aal steht seit 2008 auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur als gefährdete Art. Seine Population nimmt kontinuierlich ab. Und doch findet man Aale immer noch auf den Fischtheken. Die Hauptgründe für die rapiden Bestandsrückgänge sind kommerzielle Fang und die Errichtung von Dämmen und anderen Hindernissen auf den Wanderrouten der Fische.

Um das Schrumpfen der Aal-Populationen zu verhindern, hat die Europäische Union im Jahr 2007 die sogenannte Aalverordnung verabschiedet. So werden an den Wanderruten der Aale zum Schutz der aufsteigender Fische spezielle Aufstiegsanlagen angelegt, sowie Rechen eingebaut. Darüber hinaus werden Turbinenmanagement-Konzepte für die Hauptwanderzeit der Aale ausgearbeitet, die die Verluste beim Abstieg der Aale deutlich reduzieren sollen.

Unterwasser-Aufnahmen

Im folgenden Video finden Sie Unterwasser-Aufnahmen von Aalen, die in Irland gemacht wurden. Besonders bemerkenswert ist bei dieser Spezies die Fähigkeit rückwärts zu schwimmen, die in diesem Videomaterial gut zu sehen ist.

Fischlexika und -Atlanten

Falls Sie sich für die mannigfaltige Tierfauna der Meere, Seen oder Flüsse interessieren, empfehlen wir Ihnen folgende Bücher*, die neben herausragenden Fotos und detailgetreuen Zeichnungen auch Informationen über die einzelnen Fisch- und Tierarten anbieten:
  1. Gefährliche Meeresfische
  2. Was lebt im Mittelmeer?
  3. Süßwasserfische Europas
  4. Fische Krebse Muscheln
  5. Heimische Gewässer


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