Bullenhai: Alles über den Fisch

Bullenhai ist einer der aggressivsten Tiere auf unserem Planeten. Im Rankings der Hai-Angriffe auf Menschen steht er an dritter Stelle.

Allgemeines über Bullenhai

  • Name: Bullenhai (auch Stierhai). Engl.: Bull shark
  • Wissenschaftlicher Name: Carcharhinus leucas
  • Ordnung / Familie: Haie / Grundhaie
  • Vorkommen: wärmere Küstengewässer rund um den Globus
  • Habitat: flache Küstenabschnitte und Mündungsgebiete der Flüsse
  • Max. Größe / Gewicht: 4 m / 300 kg
  • Gefährdung: moderat gefährdet
Bullenhai

Bullenhai

Lebensraum des Bullenhais

Der Bullenhai lebt in fast allen Ozeanen (außer in der Arktis) und in vielen Süßwasserflüssen. Er bevorzugt Brackwasser und hält sich am liebsten in flachen Abschnitten in unmittelbarer Küstennähe und im Mündungsgebiet der Flüsse auf. Dabei dringt nicht selten Hunderte von Kilometern ins Landesinnere vor.

In seinem Habitat herrscht bereits bei geringstem Seegang durch die Vermischung des Süß- und Salzwassers schlechte Unterwassersicht, die er für die Jagd auf Beute geschickt ausnutzt. Im Durchschnitt werden Bullenhaie 17 bis 18 Jahre alt. Es gibt aber auch belegte Fälle in Gefangenschaft, die bis zu 30 Jahre alt wurden.

Sehr gute Süßwasserverträglichkeit

Fluss

Fluss

Bullenhaie verfügen über die Fähigkeit, durch ihre Nieren die Osmoregulation zu betreiben. Das bedeutet, sie können den Salz- und Harnstoff-Gehalt in ihrem Blut anpassen, sobald sie aus dem Salzwasser ins Süßwasser schwimmen und umgekehrt. Dies verschafft ihnen einen Vorteil bei der Suche nach Nahrung und vergrößert ihr Verbreitungsgebiet. Neugeborene oder junge Haie halten sich in der Regel im Süßwasser auf, während ältere Haie bevorzugt im Salzwasser leben. Es gibt allerdings Bullenhaie, die ihr ganzes Leben im Süßwasser verbringen.

Bullenhai-Populationen in Süßgewässern

Bullenhaie sind aggressiv, haben unbändigen Appetit und dringen immer weiter im Süßwasser vor auf der Suche nach Beute. So sind sie zum Beispiel über den Río San Juan in den mittelamerikanischen Nicaraguasee gelangt, wo sich mit der Zeit eine größere Population gebildet hat. In Nordamerika gibt es dokumentierte Berichte über Bullenhaie, die 1100 km den Mississippi River hinaufgeschwommen sind.

Im australischen Logan City im Jahr 1990 wurden einige Bullenhaie nach einer Flut in einem Golf-Club eingeschlossen. Seitdem leben sie in diesem See und werden dort als Attraktion bestaunt. Darüber hinaus wurden zahlreiche Sichtungen dieser Fische in Indien, Iran, Brasilien, Marokko, Südafrika und in vielen anderen Ländern rund um den Globus verzeichnet.

Anatomische Merkmale des Bullenhais

Der Bullenhai verdankt seinen Namen dem eigenen Körperbau, wie auch ihm oft zugeschriebenen aggressiven Verhalten. Die Weibchen sind deutlich größer als die Männchen und werden bis zu 2,5 m lang und ca. 130 kg schwer, wohingegen Männchen die Größe von 2,2 m und das Gewicht von 95 kg erreichen. In der Moderne gibt es dokumentierte Berichte über 4 Meter lange Exemplare, die das Gewicht von über 300 kg aufwiesen.

Der Körper des Bullenhais ist grau-grünlich gefärbt, langgestreckt und spindelförmig. Seine Flossen sind dunkler als der Rücken. Die Intensität der Körperfarbe des Bullenhais kann sich an das Licht anpassen: tagsüber heller, in der Dämmerung dunkler. Sein Kopf ist breiter als bei den meisten anderen Hai-Arten, so dass er leicht zu unterscheiden ist. Er hat eine fast rechtwinklige Rückenflosse. Der für die Haie typische Hautkamm zwischen der vorderen und hinteren Rückenflosse fehlt ihm.

Warum ist der Bullenhai so gefährlich?

Haifisch

Haifisch

Bullenhaie sind deshalb so gefährlich, weil sie zu plötzlichen und sehr aggressiven Attacken neigen. Sie können sich auf alles stürzen, was sich bewegt – sogar auf die Propeller von Bootsmotoren. Einige Wissenschaftler halten männliche Bullenhaie für die aggressivsten Tiere auf unserem Planeten. Diese Meinung beruht auf große Mengen von Testosteron, die männliche Bullenhaie produzieren.

Der Bullenhai ist ein extrem starkes und schnelles Tier. Wenn er einen Menschen angreift ist es fast unmöglich ihm zu entkommen – er verbeißt sich in sein Opfer bei dessen Wiederstand umso mehr. Manchmal macht er einen „Erkundungsbiss“ bevor er angreift. Bullenhaie haben ein ausgeprägtes Territorialverhalten und schützen ihr Revier vehement gegen jeglichen Eindringling.

Nahrung des Bullenhais

Der Bullenhai ernährt sich von Knochenfischen, anderen Haien, Säugetieren (einschließlich Delfine), Krabben, Rochen, Weichtieren und Schildkröten. Bullenhaie jagen überwiegend in trübem Gewässer, weil ihre Beutetiere durch schlechte Sicht gehandicapt ist und leichter geschnappt werden kann. Diese Spezies sind Einzelgänger und jagen durch Anstoßen und sogenanntes „Test-Beißen“, wie es auch Weiße Haie vorzeigen.

Der Bullenhai ist ein eingefleischter Fleischfresser ohne feinen Geschmack und isst alles, was er sieht, dazu gehört auch Aas und Abfallprodukte der Fischverarbeitungsindustrie. Auf der Suche nach Nahrung sucht der Bullenhai langsam und ohne Hektik sein Revier ab und beschleunigt abrupt uns sehr stark, sobald er eine geeignete Beute in Sicht hat.

Fortpflanzung des Bullenhais

Meer

Meer

Bullenhaie erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 10 Jahren. Die Paarungszeit findet zwischen August und September statt. Vor der Paarung beißen Männchen die Weibchen in den Schwanz oder Flossen, um sie dazu zu bringen, sich auf den Kopf zu stellen und die Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Die Bisse sind ziemlich stark und können Wunden hinterlassen.

Bullenhaie sind lebendgebärend. Die Jungtiere sind bei der Geburt rund 80 cm lang. Weibchen gebären ihre Jungen in Lagunen und Flussmündungen, wo sie geschützt heranwachsen können. Die evolutionär geprägte Bedingung, dass Bullenhaie auch in Süßwasser überleben können, kommt den Jungtieren sehr zum Vorteil. In Flüssen leben keine anderen Haie, die den Junghaien gefährlich werden könnten.

Bullenhai und der Mensch

Der Bullenhai wird für viele Haiangriffe auf Menschen verantwortlich gemacht und zwar rund um den Globus. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass Haiattacken, die dem Weißen Hai zugeschrieben werden, in Realität vom Bullenhai begangen sind. Ein Argument dafür sind die häufigen Verwechslungen aufgrund sehr ähnlicher Bissspuren der beiden Arten.

Bullenhaie greifen selten Gruppen von Menschen an, sondern suchen sich gezielt einzelne Beute aus. Sie sind besonders gefährlich in seichten Gewässern, wo man keinen Angriff erwartet. In den vom Bullenhaien bewohnten Gebieten sollte man trübes Wasser meiden und nicht bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang ins Wasser gehen – dies verringert das Risiko eines Angriffs erheblich.

Die Gefährlichkeit der Bullenhaie für den Menschen wird durch die Tatsache verstärkt, dass sie sich in Süßwasserflüssen ausgesprochen wohlfühlen und sogar in weit vom Meer entfernten Süßwassergewässern vorkommen. So werden Bullenhaie immer wieder in Flüssen in Australien, Nord- und Südamerika und sogar in einigen entlegenen Süßwasserseen gesehen.

Bullenhai-Attacke in South Carolina

Bullenhaie lieben Brackwasser, wo das Wasser trüb ist und sie leicht die Beute reißen können. Dieses Video aus Myrtle Beach an der Ostküste in den USA führt es deutlich vor. Sara Brame aus Cherry Grove (South Carolina) hatte gerade ihren ersten Fisch an der Angel als urplötzlich ein Bullenhai aus dem Wasser sprang und den Fisch samt Haken in sein riesiges Maul schnappte. Die Schnur brach, die Anglerin blieb zurück im tiefsten Schock!

Gleich am nächsten Tag erfuhren mehr als zwei Millionen US-Bürger über ABC, CBS, Fox news, YouTube oder gar Los Angeles Times von dem Vorfall. Manch einer Zuschauer war so beängstigt, dass vielerorts die Frage nach der Sicherheit in den Küstengewässern wieder entflammte und in Medien heiß diskutiert wurde.

Die Erkenntnis: Haiattacken sind in South Carolina extrem selten. In den letzten 12 Jahren gab es rund 34 Hai-Angriffe in der Gegend – keiner davon hatte tödliche Folgen. Man betrachte nun die Anzahl der Angriffe im Verhältnis: Schätzungsweise 160 Millionen Menschen besuchten South Carolina während der letzten 12 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit einer Haiattacke ist also verschwindend gering.

Gefährdung des Bullenhais

Bullenhai gehört zu den Spezies, die immer mehr kommerziell ausgebeutet werden, was zum stetigen Rückgang der Population führt. Nicht nur das Fleisch des Bullenhais sondern auch seine Leber und die Bauchspeicheldrüse werden z.B. in der Pharmaindustrie verwertet. Darüber hinaus gilt seine elastische Haut als exquisites Material für die Herstellung von Uhrenbändern und anderer Schmuck-Assessors.

Die International Union for Conservation of Nature stuft die Art heute als „nahezu gefährdet“ ein. Aufgrund ihrer guten Widerstandsfähigkeit und geringen Ansprüchen ans Futter passen sich Bullenhaie gut an künstliche Umgebungen an und werden oft in zahlreichen öffentlichen Aquarien in verschiedenen Ländern gehalten.

Fischlexika und -Atlanten

Falls Sie sich für die mannigfaltige Tierfauna der Meere, Seen oder Flüsse interessieren, empfehlen wir Ihnen folgende Bücher*, die neben herausragenden Fotos und detailgetreuen Zeichnungen auch Informationen über die einzelnen Fisch- und Tierarten anbieten:
  1. Gefährliche Meeresfische
  2. Was lebt im Mittelmeer?
  3. Süßwasserfische Europas
  4. Fische Krebse Muscheln
  5. Heimische Gewässer


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